Vorbilder – Einsatz für die Jugend

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es immer wieder fette Schlagzeilen von betrunkenen Jugendlichen und was sie alles anstellen. Es scheint ruhig geworden zu sein, um unsere heutige Jugend. Bedeutet das, dass die aktuell Heranwachsenden wohlerzogen und sittsam sind und einen guten Weg ins Erwachsenensein finden?

Der Schein trügt. Eine einfache Suche mit dem Stichwort »Jugendliche« auf news.google.de zeigt uns ein anderes Bild. Die Überschriften, die dort erscheinen, sprechen von Gewalt und Aggressionen ebenso wie von Alkohol- und Drogenmissbrauch. Dass die dort genannten Taten es seltener auf das Titelblatt einer Zeitung schaffen, hat aber wohl mehr damit zu tun, dass andere Themen wichtiger scheinen. Die Berichterstattung zur Regierungsbildung zum Beispiel, die die mediale Öffentlichkeit über Monate beschäftigte.

Da zeigt sich auch gleich ein Dilemma für uns alle, aber wohl am meisten für die Jugendlichen selbst. An wen sollen wir uns orientieren? Wo finden sich für uns Leitfiguren, die wir uns gerne als Vorbild für unser eigenes Denken und Handeln nehmen? Von uns Erwachsenen darf man ja durchaus erwarten, dass wir uns selber Gedanken machen und in uns gefestigt genug sind, um unser Handeln an ethische Maßstäben auszurichten. Können wir das auch von den Jugendlichen erwarten? Eher nicht. Sie müssen noch lernen, was es bedeutet, mit sich und anderen gut auszukommen und ihren Platz in der Welt zu finden.

Für die Orientierung sind den Jugendlichen Vorbilder ganz wichtig. Da spielen die Eltern natürlich eine große Rolle. Von Ihnen wird am meisten durch Nachahmung gelernt, die schon im Kleinkindalter beginnt. Da werden Gewohnheiten des Alltags ebenso übernommen, wie Wertvorstellungen. Umso älter die Kinder werden, umso mehr richtet sich der Blick dann aber nach außen. Da spielen dann »coole« Freunde und Pop- bzw. YouTube-Stars eine größere Rolle. Gegen diese ist nur schwer anzukommen, vor allem, wenn in der öffentlichen Wahrnehmung andere positive »Lichtgestalten« nur schwer auszumachen sind.

Der Hinweis an die Jugendlichen, mal die Bibel in die Hand zu nehmen und darin zu lesen, wird wohl auch nicht besonders zielführend sein. Dabei ließe sich darin doch so einiges entdecken. Zum Beispiel die Geschichte des Propheten Amos.

Laut Wikipedia war Amos ein sozialkritischer Prophet aus dem Südreich Juda, der im 8. Jahrhundert vor Christi Geburt lebte und wirkte. Er selbst berichtet, er habe in der Wüste nahe des Dorfes Tekoa, 20 Kilometer südlich von Jerusalem, Schafe gehütet, als Gott ihn beauftragt habe, im Nordreich Israel sein Wort zu verkünden.

In den Kommentaren und Lehrbüchern wird Amos als ein aufmerksamer Beobachter der politischen Ereignisse seiner Zeit beschrieben. Im Namen Gottes empörte er sich über die sozialen Verhältnisse in Israel. Er sah, dass es dem Land mit seiner blühenden Wirtschaft und dem erfolgreichen Weinanbau richtig gut ging. Dass aber von dem Erfolg der Grundbesitzer und der Händler nichts bei den einfachen Leuten ankam. Und die Machthaber jener Zeit sahen dem zu bzw. hatten sogar Anteil daran. Mit der Aussage: »Sie sehen zu, wie unschuldige Menschen in die Sklaverei und Arme für ein paar Schuhe verkauft werden«, bringt es Amos im 2. Kapitel (Vers 6) dieses Buches auf den Punkt. Und an anderer Stelle spricht er davon, wie die Reichen die Armen unterdrücken, zu hohe Abgaben fordern und sogar Bestechungsgelder nehmen (Amos 8,4.5).

Im Zeugnis des Amos wird deutlich, dass sich Gott als ein Fürsprecher der Armen und Schwachen versteht. Und dass Gott es vermisst, dass sich die Erfolgreichen nicht mit denen solidarisch erklären, durch deren Hände Arbeit sie zu ihrem Wohlstand gekommen sind. Amos verkündigt einen Gott, der sich nicht damit abfinden will, dass die »Reichen« meinen, es würde genügen fette Opfergaben zu bringen und rauschende Kultfeste zu feiern. Gottesdienste aus denen nicht mehr das Lob an ihm und der Dank für das Führen aus der ägyptischen Sklaverei spricht, sondern ihre Versammlungen mehr in einer Selbstbeweihräucherung münden.

Würden wir Amos in unsere heutige Welt versetzen und ihm etwas Zeit geben, sich umzuschauen, ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass er nicht groß nach neuen Worten suchen müsste, um das Spannungsfeld zwischen Arm und Reich in unserer Stadt, in unserem Land, in unserer Welt zu beschreiben.

Mein Eindruck ist, dass wir heute viele Menschen wie Amos brauchen. Männer und Frauen, die ihre Stimme erheben und sich für mehr Gerechtigkeit in unserer Welt einsetzen. Frauen und Männer, die sich nicht entmutigen lassen, sondern streitbar sind und sich auch für die Interessen der Jugendlichen einsetzen.

Wenn Jugendliche sehen, da ist jemand, der oder die sich für sie einsetzt, dann hat das sicher auch eine Vorbildfunktion, dem nachzueifern sich lohnt. Was könnte uns schöneres passieren, als die Jugend dafür zu gewinnen, sich dafür einzusetzen, aus der bestehenden Welt eine bessere zu machen? Davon kann es doch eigentlich gar nicht genug Vorbilder geben. Dann schafft es ein solches Vorbild sicher auch mal auf die Titelseite unserer Zeitungen.

Die Frage, die jetzt noch bleibt ist: sind Sie auch ein Amos?

Foto: pixabay, Alexas_Fotos

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