Noah – Verantwortung mit Gottvertrauen

Bei dem Geschehen um den Bau der Arche, das Einsammeln der Tiere und die alles verschlingende Sintflut mutet Gott dem Menschen Noah ganz schön viel Verantwortung zu. Und der übernimmt sie, ohne zu zögern. Da stellt sich doch die Frage: Wie macht er das? Und was hat das mit mir zu tun?

Die Erzählung darüber, wie Noah die Arche baut und von allen Tieren ein Paar an Bord schafft, gehört wohl zu den bekanntesten biblischen Geschichten. Gott hätte es Noah dabei aber wirklich auch einfacher machen können! Warum hat Gott sich nicht selbst darum gekümmert, dass die Tiere nicht in den Fluten umkommen? Und wenn schon eine Arche nötig ist, um Mensch und Tier zu retten, dann hätte diese doch auch schon fertig dastehen können! Wenn Gott die Naturgewalten beeinflussen kann, sollte das doch kein Problem für ihn sein. Warum also sollte Noah die ganze Aktion selber durchführen?

Offenbar konnten sich auch die Erzähler der Urväter-Geschichten nicht vorstellen, dass Gott auf diese Art in die Geschichte eingreift, quasi mit dem Hammer in der Hand. Nein, die Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch ist von anderer Art: Gott bietet seine Hilfe an, aber ohne unser Zutun geht es nicht ab. In unserer Geschichte heißt das: Gott liefert den Bauplan, aber die Ausführung muss Noah selbst übernehmen. Noah erhielt von Gott ganz genaue Vorgaben, wie die Arche auszusehen hat. Er musste sich »nur« um die Ausführung und Umsetzung kümmern. Das zeigt mir, dass Gott dem Noah schon einiges zugetraut hat: Er hat ihm zugetraut, die Grundlage für eine neue Welt zu schaffen.

Aber was hat das mit mir zu tun?

Eine Antwort auf die Frage finde ich für mich im Lukas-Evangelium. Dort findet sich im 12. Kapitel ein Abschnitt, dem Martin Luther die Überschrift gab: »Vom Warten auf das Kommen des Herrn«. In einem Vers heißt es dort: »Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.« (Lukas 12,48)

Mir scheint, dass Gott diesen Grundsatz bei Noah auf jeden Fall beherzigt hat. Noah war Oberhaupt einer großen Familie. Das bedeutete damals, dass es auch an ihm lag, die ganze Verantwortung für die Familie zu tragen. Er ist das gewissermaßen gewohnt. Folglich zeigt er sich von dem Auftrag zum Bau der Arche auch nicht sonderlich beeindruckt. Es wird in der Bibel nicht davon berichtet, dass er groß rumjammert ob der immensen Aufgabe; nur, dass er alles tut, was Gott ihm aufträgt.

Und was sagt mir das jetzt? Persönlich meine ich, dass Gott mir auch eine ganze Menge anvertraut hat. Er gab mir mein Leben, er schenkte mir meinen Glauben, er stattete mich aus mit Begabungen und Fähigkeiten.

Das hat mich letztlich dahin gebracht, dass ich heute selbstständig bin und für die Menschen Verantwortung trage, die für mich arbeiten. Auch meinen Kunden und Lieferanten gegenüber habe ich eine Verantwortung, der ich nachkommen muss und will. Darüber hinaus hat er mich in eine Gemeinde geführt, in der ich aktiv an der Gestaltung teilnehme und mitverantwortlich dafür bin,
was in ihr geschieht. Verantwortung, wo ich nur hinschaue.

Ich finde das toll. Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, Leben aktiv zu gestalten. Ganz gleich ob das nun im Beruf oder in der Gemeinde ist. Ideen zu entwickeln und zu schauen, wie diese umgesetzt werden können, begeistert mich immer wieder. Doch diese Freude, dieser Gestaltungswille hat seinen Preis. Manchmal scheint mich das eine oder andere zu überfordern, oder es erscheint mir als »zu viel«. Manchmal stehe ich auch vor gänzlich neuen Herausforderungen und weiß noch nicht, wie ich sie bewältigen soll. Da kommen sie dann, die Momente, in denen ich mich an Lukas 12,48 erinnere: »…wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.«

Ich bin froh darüber, dass ich trotz aller Verantwortung gelernt habe, mein Wohlbefinden nicht aus den Augen zu verlieren. Ich gönne mir immer wieder Zeit, um Kraft zu tanken. So hole ich mir die nötige Energie, um den neuen Herausforderungen begegnen zu können. Und wenn es mal richtig dick kommt, denke ich an das, was mir ein befreundeter Pastor einmal gesagt hat. »Gott beruft nicht die Fähigen, sondern er befähigt die, die er ruft.« Das zeigt mir, dass ich nicht alleine unterwegs bin. Im Zweifel ist Gott an meiner Seite.

Ich denke mal, Noah hat das ziemlich ähnlich gesehen. Sein verblüffend widerspruchsloser Gehorsam angesichts dieser immensen Herausforderung lässt mich vermuten, dass er seine Aufgabe in einem großen Vertrauen auf Gott bewältigte. Gott befähigt ihn dazu, alles Erforderliche zu tun, um sich und die Seinen in eine neue Welt zu führen. Und nicht nur das, auch die Tierwelt vertraut
er ihm an.

Heute ist uns Menschen auch eine Welt anvertraut, mit allem, was darauf lebt. Sind wir damit nicht alle ein bisschen Noah?

Foto: © saluto, pixabay.de

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