Fleisch aus der Retorte?

Ein großer deutscher Geflügelfleischkonzern steigt in ein israelisches Start-Up-Unternehmen ein, das sich mit der künstlichen Produktion von Fleisch befasst. »Dasselbe Fleisch, nur der Weg dahin ist anders«, wirbt die Firma und macht sich daran, Gewebezellen in der Retorte zu replizieren. Ist das ein hoffnungsvoller Ansatz oder eher eine die Schöpfung verachtende Horrorvision?

Ich gestehe, ich bin ein Science-Fiction-Fan, und das Raumschiff Enterprise hat es mir schon immer angetan. Als ich die Meldung über das oben genannte Start-Up-Unternehmen las, musste ich unwillkürlich an die praktischen »Replikatoren« denken. Mit deren Hilfe versorgte sich die Besatzung des Raumschiffs mit Nahrungsmitteln. Einfach per Knopfdruck – und man bekommt genau das, was man zum Überleben braucht.

Es scheint also, dass die Wissenschaft nun auch in diesem Punkt soweit ist, aus der Fiktion dieser legendären Fernsehserie Realität werden zu lassen. Mit den Kommunikatoren hat es ja schon geklappt. Immerhin tragen die meisten von uns diese in Form eines Smartphones in der Tasche mit sich herum.

Beim ersten Nachdenken mag mir dann auch nicht so recht etwas einfallen, was denn gegen eine derartige Fleischproduktion sprechen würde. Auch die Tierrechtsorganisation scheint diese Entwicklung zu begrüßen. Und für das Überleben der Menschheit scheint es eine notwendige Maßnahme zu sein.

Im Gespräch mit einem Freund über dieses Thema wird mir deutlich, dass das entscheidende Wort in der Tat das Wort »überleben« ist. Und das hat mich ins Grübeln gebracht. Sind wir wirklich schon so weit, dass es bei den Überlegungen zu unserer Ernährung nur noch ums Überleben geht?

Wenn es nur ums Überleben der Menschheit gehen würde, hätte doch Gott in seinem Akt der Schöpfung darauf verzichten können, die Welt mit seinen Tieren und Pflanzen so vielseitig zu gestalten. Ein Replikator wäre da sicher einfacher zu erschaffen gewesen. Doch er hat bei allem auf Vielfalt gesetzt und den Menschen dazu auserkoren, darüber zu wachen und sich in verantwortungsvoller Weise um diese vielgestaltige Welt zu kümmern.

In welchem Spannungsfeld sich der Umgang mit der Schöpfung heute aber zumeist abspielt, sehen wir bei einem Blick auf die Schlagzeilen in den Zeitungen sehr genau. Da ist von unwürdiger Käfighaltung und Kälbermast die Rede, von der missbräuchlichen Verwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung und dem Auftreten von epidemischen Krankheiten wie der Vogelgrippe. Ganz aktuell: die afrikanischen Schweinepest. Schon werden im zuletzt genannten Fall die Stimmen laut, dass der Bestand der Wildschweine drastisch reduziert werden muss, um eine Übertragung auf die Schweinezuchtbetriebe möglichst auszuschließen.

Eine Rückkehr zu einer verantwortungsbewussteren und tierfreundlicheren Aufzucht von Nutzvieh und zur natürlichen Landwirtschaft scheint mir da doch der bessere Weg zu sein. Und erfreulicherweise erfolgt bei vielen Menschen in dieser Hinsicht ja schon ein Umdenken. Unter Verwendung der Vorsilbe »Bio« bietet der Handel immer mehr verantwortlich produzierte Fleisch- und Pflanzenprodukte an. Wenn sich auch die Nährwerte von Bio-Produkten kaum von konventionellen Produkten unterscheiden, so sind diese doch weniger mit Pestiziden oder antibiotikaresistenten Bakterien belastet und vor allem nachhaltiger produziert.

Doch auch ich kann mir nicht vorstellen, dass wir es schaffen werden, ganz und gar auf »Bio« umzustellen. Auch in Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung stellt sich schon die Frage, ob es ohne die industrielle Lebensmittelproduktion möglich sein wird, zukünftig alle Menschen angemessen zu ernähren. Die künstliche Erzeugung von Fleisch (ohne Einsatz von Antibiotika wohlgemerkt) kann da doch auch eine Chance sein, dem Hunger in der Welt zu begegnen.

Als Christ frage ich mich natürlich, was Gott zu diesen Gedankenspielen sagen würde?

Fleischkonsum ohne das miese Gefühl, dass dafür Tiere gequält wurden und leiden mussten? Das klingt erst mal gut. Aber ist das realistisch? Welche Maßnahmen hat das im Gefolge? Und welche gesundheitlichen Folgen? Und verführt es uns Menschen nicht dazu, uns selbst wie Gott zu fühlen?

Vielleicht ist es aber auch der Weg zu einer neuen Ethik, in der Mensch und Tier wieder enger zusammenrücken, weil das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken verpönt ist.

Gott liebt uns Menschen und er liebt seine Schöpfung, davon bin ich überzeugt. Da darf es uns schon einige Anstrengungen kosten zu überlegen, wie wir die Schöpfung, die uns anvertraut wurde, auch erhalten können. Ob da die künstliche Produktion von Fleisch nun der Weisheit letzter Schluss ist, darüber wird ganz sicher noch viel diskutiert werden. Und das ist auch gut so.

Foto: RitaE, pixabay.com

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