Auf Sand gebaut

Auf Sand gebaut - Sandburgen am Strand fehlt das richtige Fundament

Als gebürtiger Berliner (der mittlerweile auf der Insel Rügen lebt) kann mich so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Auch keine Baustelle, deren Fertigstellung immer wieder verschoben wird und die erst irgendwann mal fertig sein wird – vielleicht.

Doch ein Kommentar in der Wiener Tageszeitung »Der Standard« hat mich dann doch unangenehm berührt. Birgit Baumann schrieb bereits am 7. Februar 2017: »Unter den vielen Problemen, die der Berliner Pannenflughafen BER schon hervorgebracht hat, wird eines viel zu gering geschätzt: Es gibt praktisch keine neuen Witze mehr. Alle Gags sind gemacht, die Zeit der Nichteröffnung dauert einfach schon zu lang.« Und daran hat sich leider nichts geändert.

Das selbst einer launigen Kommentartorin wie Birgit Baumann nichts mehr einfällt, um das Geschehen rund um den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) zu beschreiben, stimmt mich äußerst nachdenklich. Wie ist die Wartezeit bis zur (möglichen) Eröffnung anders als mit Humor nur zu ertragen?

Doch Spaß beiseite. Ein Dilemma wird bei den Geschehnissen rund um den BER leider nur allzu deutlich: In den letzten Jahren hat man es schlicht weg und einfach nicht geschafft, ordentlich zu arbeiten. Daran haben weder der häufige Personalwechsel noch ein Untersuchungsausschuss etwas geändert. Irgendwie wurde da von Anfang an Murks gemacht. Quasi auf Sand gebaut. Und wenn das Fundament erst einmal ins Rutschen gerät, dann ist die Gefahr auch groß, dass der Rest ebenfalls nicht standhält.

Die Baustellen in unserem Leben

Wahrscheinlich haben wir alle schon in unserem Leben eine solche Baustelle gehabt. Da fangen wir etwas unüberlegt an, oder planen etwas unter den verkehrten Prämissen und dann will bei aller Energie, die wir noch zusätzlich investieren müssen, trotzdem nichts Gescheites bei herauskommen.

Eigentlich könnten diejenigen, die Jesu Gleichnisse kennen, da ja schon schlauer sein. Im Matthäus-Evangelium (7,24-27) erzählt Jesu zum Beispiel ein Gleichnis von einem Haus, das einmal auf Felsen und einmal auf Sand gebaut wird. In seinen Ausführungen erläutert Jesus seinen Zuhörern und Zuhörerinnen, dass diejenigen, die seinen Geboten und Lehren folgen, einem Mann gleichen, der sein Haus auf das solide Fundament eines Felsen baut. Weder Platzregen noch Sturm können diesem Haus etwas antun, denn es steht fest auf seinem Fundament. Wer jedoch meint, sich die Gebote und
Lehren Jesu nicht zu Herzen nehmen zu müssen und danach auch zu handeln, der gleicht einem Mann, der sein Haus auf purem Sand baut. Hier reicht schon mäßiger Regen, um den Sand unter dem Haus hinweg zu spülen und es schließlich einstürzen zu lassen.

Das eigene Fundament

Was heißt das nun für meine persönlichen Planungen, zum Beispiel in meinem beruflichen Umfeld? In erster Linie wohl, dass ich ehrlich und achtsam mit mir selbst und anderen umgehe. Das heißt zum Beispiel: Die Angebote, die ich mit meiner Internet- und Medienagentur meinen Kunden gegenüber abgebe. Sie sind realistisch und werden sowohl der eigenen Leistung, wie auch den Wünschen des Kunden gerecht. Ich halte nichts davon, eine Geschäftsbeziehung mit einem Dumping-Angebot zu beginnen. Im nach hinein helfen dann womöglich nur schwammige Ausreden oder Lügen, um Mehrkosten zu rechtfertigen. Eine solche Geschäftsbeziehung ist auf ein Fundament aus Sand gebaut und kann ziemlich schnell wieder in sich zusammenfallen.

Ähnliches gilt natürlich auch für den privaten Umgang, für eine Freundschaft zum Beispiel. Wie soll ich mich auf jemanden verlassen können, der oder die mir gegenüber nicht ehrlich ist und unachtsam mit mir umgeht. Oder umgekehrt, was ist das für eine Freundschaft, in der ich selbst nicht offen und ehrlich bin. Eine Freundschaft, in
der so wenig achtsam miteinander umgegangen wird, verdient wohl nicht den Namen und zerbricht beim ersten Sturm, beim ersten Streit.

Auch auf das christliche Gemeindeleben lässt sich unser Gleichnis vom Hausbau, das sich übrigens auch im Lukas-Evangelium (6,47-49) findet, übertragen. Eine Gemeinde, in der es kein gemeinsames festes Fundament gibt, das aus dem besteht, was uns Jesus vorgegeben hat, wird es schwer haben, eine lebendige und wachsende Gemeinschaft zu sein. Misstrauen und Argwohn finden sich dort dann wohl eher, als eine liebevolle und wohl tuende Nähe. Und gerade nach letzterem sehnen wir uns doch alle – egal ob Christ oder nicht.

Sich den Herausforderungen stellen

Es mag sein, dass der offene und ehrliche Umgang miteinander eine größere Herausforderung ist, und mehr Einsatz erfordert, als Oberflächlichkeit und Unachtsamkeit. Aber, und das zeigt das Dilemma um den Flughafen in Berlin nur allzu deutlich, im nach hinein ein solides Fundament unter einer wackligen Konstruktion zu bekommen, ist erheblich aufwendiger.

Was wird aber nun aus unserem Flughafen in Berlin? Wahrscheinlich wird er irgendwann schon noch fertiggestellt – nachdem man im übertragenen Sinne, reichlich Beton in den Sand gepresst hat. Es wird eine feierliche Eröffnung geben und rasch werden Menschen aus aller Welt und auch die Berliner den Flughafen in ihr Alltagsleben integriert haben. Und mit den Jahren, wird sich ein Mantel des Schweigens auf die Umstände der Fertigstellung legen. Das Politik und
Wirtschaft daraus lernen und zukünftig Großprojekte anders planen, mag ich mir zwar wünschen, doch glauben, tue ich das nicht. Da bleibt mir nur übrig zumindest in meinem Leben für ein solides Fundament zu sorgen. Das finde ich in Jesus Christus.

Foto: BubbleJuice, pixabay.de

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