Wieder Kind werden

Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.
(Lukas 18,16)

Viele in Anführungszeichen Suchtkarrieren haben ihren Ausgangspunkt in der eigenen Kindheit. Belastende Lebensumstände und traumatische Ereignisse haben dazu geführt, dass wir Bewältigungsstrategien oder sogar Überlebensstrategien entwickeln mussten, die mit einer glücklichen, erfüllten Kindheit nichts zu tun haben.
In unserem Clean- und Trockensein kommen wir immer wieder mit unserem inneren Kind in Kontakt. Wenn alles gut geht, lernen wir, wieder neugierig zu sein, Vertrauen zu anderen Menschen zu entwickeln, sich gerne auf andere einzulassen, das Miteinander zu genießen und auch einmal überschwängliche Freude zu zeigen.

Diese Offenheit im Herzen ist etwas, was Jesus bei den Kindern zu schätzen wusste und was auch für uns heute erstrebenswert ist.

Eigennutz

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst.
(Philipper 2,3)

Kennt ihr das? Da gebt ihr jemanden den kleinen Finger und Schwups ist er ab der Arm. Logisch dass wir uns dann be- und ausgenutzt fühlen und eigentlich keine Lust mehr verspüren für andere da zu sein.

Umgekehrt kann das aber ebenso so schnell passieren. Auch wir selbst sind nicht davor gefeit, andere auszunutzen. Manchmal ist es schon schwer genug die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Diese beim anderen zu entdecken, wenn wir selber gerade diejenigen sind, die etwas empfangen, ist dann noch deutlich schwerer. Leicht fokussieren wir uns auf die eigene Bedürftigkeit und sehen weniger die Grenzen der Leistungsbereitschaft beim anderen.

Der Vers aus dem Philipper-Brief kann mir dabei helfen, eine andere Haltung einzunehmen. In Demut den anderen achten, schärft meinen Blick für die Grenzen meines Gegenübers. Und lässt mich bei aller eigenen Bedürftigkeit nicht vergessen, dass mir da gerade jemand Gutes tut.

Die Botschaft weiter geben

Der Herr sprach zu Abram: »Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein«.
(1. Mose 12,2)

Mit dem 12. Schritt des spirituellen Programms der Anonymen Alkoholiker werden wir aufgefordert, anderen von uns und dem Programm zu erzählen und wie es uns geholfen hat, der Sucht etwas entgegenzusetzen.

Die Erfahrungen, die wir in unseren Selbsthilfemeetings machen, egal ob nun bei den AAs oder anderen Selbsthilfegruppen, tragen maßgeblich zu unserem Trocken- und Cleansein bei. Es ist ein Segen, den wir in der Gemeinschaft empfangen dürfen. Da versteht es sich fast von selbst, dass wir diesen Segen mit jenen teilen, die vielleicht erst am Anfang ihres Genesungsweges stehen.

Doch auch außerhalb der Selbsthilfegruppen können wir ein Segen für andere sein. Manchmal genügt dazu schon ein aufmunterndes Lächeln für jemanden, der sorgenvoll blickt oder die Hilfestellung für eine alte Frau, die Mühe hat den Bus zu besteigen.

Es ist ganz erstaunlich: Segen vermehrt sich durchs Teilen.

Bedrängnis, Geduld, Bewährung, Hoffnung

… Bedrängnis bringt Geduld, Geduld bringt Bewährung und Bewährung bringt Hoffnung …
(Römer 5,3-5)

Man kann von mir nun nicht wirklich behaupten, dass ich ein geduldiger Mensch bin. Wenn es beispielsweise bei einem schwierigen Auftrag in meiner Firma darum geht, eine Lösung herbeizuführen, ist mir sehr daran gelegen, dass möglichst schnell hinzubekommen.
Doch manchmal geht das nicht so schnell. Mein Gegenüber muss die Dinge vielleicht erst noch mit anderen besprechen oder schlimmer noch die Entscheidung eines Gremiums abwarten.

Um mich nicht selber in meiner Arbeit zu blockieren, muss ich mich frei machen, vom ungeduldigen Ausharren und dem Kopfkino, wie nun die Rückmeldung aussehen könnte. Was mir dabei hilft, ist, mein Anliegen vor Gott zu bringen. »Sieh, Gott, ich habe meinen Teil getan, nun lege du deinen Segen darauf und lass mich nach vorne schauen.« Es tut mir gut, zu wissen, dass ich das kann. Und umso öfter ich das tue, desto leichter fällt es mir meinen Kopf frei zu bekommen, um mich wieder meinen Aufgaben widmen zu können.