Besserwisserei

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem Mann, der sein Haus auf Fels baut.
(Matthäus 7,24)

Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber ich sitze manchmal in einem Meeting und denke mir so beim Zuhören: Wieso tut sich mein Gegenüber eigentlich mit seinem Problem so schwer? Die Lösung ist doch ganz einfach. Wenn ich zum Beispiel mit jemanden einen Konflikt habe, dann muss ich doch nur versuchen, mit der Person ins Gespräch zu kommen und dann findet sich schon ein Weg.

Wenn ich gut drauf bin, merke ich noch rechtzeitig, auf welchem hohen Ross ich gerade sitze und halte einfach meine Klappe. Selber sieht es bei mir ja nicht anders aus. Wie oft habe ich mir schon den Kopf zerbrochen über irgendwelche Probleme und habe bei der Lösung den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Was mir dann hilft, ist natürlich das Gespräch mit anderen, aber auch dass ich inne halte und im Gebet darauf höre, was Jesus an meiner Stelle tun würde. Was dabei herauskommt ist, dass die Lösung eines Problems manchmal verblüffend einfach und tragfähig sein kann.

Größer als wir selbst

Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen.
(Jesaja 45,12)

Der zweite Schritte beim spirituellen Programm der Anonymen Alkoholiker lautet: »Wir kamen zu den Glauben, dass nur eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.« In meinem christlichen Verständnis ist Jesus Christus jene Höhere Macht, die unsere geistige Gesundheit wiederherstellen kann.

Am Beginn unseres Clean- und Trockenseins mag das irritierend sein und Widerstände locken. Haben ich es denn nicht selbst in der Hand, frage ich mich. Sicher, ich kann meinen Teil dazu beitragen, doch ob mein Bemühen von Erfolg gekrönt wird, hängt nicht von mir alleine ab.

Das mag zu Beginn des Weges wirklich kein schöner Gedanke sein, beim zweiten Nachdenken entpuppt sich die Vorstellung aber, zumindest für mich, als tröstlich. Denn bei allen Anstrengungen, werde ich doch niemals perfekt sein; da ist es gut auf jemand bauen zu können, in dessen Hand mein Schicksal liegt und der mir wohlgesonnen ist. Jesus Christus.

Annahme erfahren

Der König sprach zu seinen Knechten: »Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.«
(Matthäus 22,9)

Ich glaube, für Kinder und Heranwachsende gibt es nichts schlimmeres, als dass sie direkte Ablehnung erfahren bzw. das Gefühl vermittelt bekommen, nicht angenommen zu sein. Das gilt aber auch für uns Erwachsene. Als soziale Wesen sind wir nun einmal darauf angewiesen, in Beziehung zu anderen zu leben.

Das Ausleben unserer Sucht war sicherlich nicht hilfreich dabei, liebevolle Annahme zu erfahren. Doch auch wenn wir nun clean und trocken sind, ist das manchmal nicht einfach. Am ehesten können wir da noch in unseren Selbsthilfemeetings – unter Gleichgesinnten – Annahme erfahren.

Doch der Bibelvers aus dem Matthäus-Evangelium will uns noch eine andere Wahrheit, eine andere Form der Annahme zeigen: Gott nimmt uns, seine Kinder, an. Und das tut er ohne wenn und aber. Also zumindest bei mir, macht sich bei diesen Gedanken ein wohlig warmes Gefühl in meinem Inneren breit. Wie zwei Arme, die mich umfassen und einfach nicht mehr loslassen wollen.

Von mir, über mich

Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen.
(Römer 14,1)

In vielen Selbsthilfemeetings gibt es die Regel, dass wir nur von uns und über uns selbst reden. Damit vermeiden wir, dass wir andere bewerten, sie maßregeln oder ihnen die eigene Sicht der Dinge überstülpen.

Was für das Meeting gilt, kann uns im Alltag ebenfalls von Nutzen sein.

Ein umgestoßenes Glas ist für den einen eine kleine Lappalie, für den anderen kann sich ein Abgrund an Minderwert auftun, in den er dann zu stürzen droht. Eine nicht gleich beantwortete E-Mail ist für die eine ein Grund einfach noch einmal nachzufragen, für die andere eine persönliche Kränkung und die Quelle unbändiger Wut.

Das persönliche Empfinden ist die individuelle Sicht, die eigene Wahrheit, die es zu respektieren gilt.

Was wir allerdings machen können, ist, anderen mitzuteilen, wie es uns selber in vergleichbaren Situationen erging und welche Probleme wir selber hatten, adäquat damit umzugehen. Das kann sowohl eine Hilfe im Alltag sein, wie auch im Selbsthilfemeeting.