Die Gebote halten

Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
(1. Johannes 5,3)

Den Weg, den ich in meiner Trockenheit gehe, hat viel damit zu tun, dass ich alte Verhaltensweisen ablege. In erster Linie natürlich solche, die mir nicht gutun.

Lügen ist solch ein Verhalten. Früher habe ich viel Zeit damit verbracht, Lügenkonstrukte zu erstellen und zu versuchen sie aufrechtzuerhalten. Bis sie dann doch in sich zusammenbrachen und ich entlarvt wurde.

Die Gebote der Bibel und das, was Jesus uns mit auf den Weg gegeben hat, haben zu Beginn meines Christseins häufig Widerstand in mir geweckt. Ich sah nicht ein, warum ich für Gott mein Verhalten ändern sollte. In den zurückliegenden Jahren habe ich aber lernen dürfen, dass es mir gut tut, mich in meinem Verhalten an dem zu orientieren, was Gott, was Jesus uns vorgeben hat.

Da zeigt sich mal wieder, dass Gott in seiner Güte viel liebevoller mit mir umgeht, als ich selber es tue. Gut zu wissen.

Starker Fels

Sei mir ein starker Fels.
(Psalm 31,2)

Au Mist, die Sitzung lief jetzt aber wirklich schief. Nicht nur, dass ich mit meinen Argumenten nicht überzeugen konnte, ich habe auch kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen. Da werde ich es in der nächsten Zeit wohl schwerer haben, bei den Anliegen, die mir wichtig sind, Unterstützung zu erhalten.

Es gibt solche Tage; Tage die wir am liebsten rückgängig machen möchten. Doch gelingen tut das natürlich nicht. Wir müssen mit den Konsequenzen unseres Tuns leben.

Früher konnte ich das mit einem ordentlichen Schluck aus der Flasche zumindest für eine Zeitlang vergessen. Heute brauche ich das nicht mehr. Heute habe ich ein sicheres Fundament, auf dem ich stehe. Wenn etwas passiert, wenn Dinge nicht rund laufen bzw. gründlich danebengehen, dann rufe ich wie der Psalmbeter zu Gott: »Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest«. Schiefgegangenes lässt sich damit nicht ungeschehen machen, aber das Rufen gibt mir die Kraft, weiterzugehen.

Leise Töne

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
(Hebräer 3,15)

Es gab mal eine Zeit, meine Saufzeit, da schaltete ich sofort auf Durchzug, wenn jemand meinte mir sagen zu müssen, was ich lieber anders, besser oder am besten gar nicht machen sollte. Gelangte doch mal ein Wort durch, dann lockte das die Widerstände in mir.

Dahinter steckte, dass ich unsicher war und jede Kritik als einen persönlichen Angriff ansah, dem aufs heftigste entgegengetreten werden musste.

Heute ist das anders – na, ja zumindest meistens. Ich habe gelernt, erst einmal hinzuhören, wenn andere mir etwas sagen. Manchmal gewinne ich eine neue Sichtweise auf die Dinge; manchmal bin ich froh, vor einer Eselei bewahrt worden zu sein; manchmal hätte sich mein Gegenüber die Worte allerdings wirklich sparen können.

Doch missen möchte ich auch das zuletzt genannte nicht. Die Bereitschaft jedem und jeder erst einmal zuzuhören, hält mich offen für die leisen Töne, für das Ungewöhnliche. Gott spricht zu uns, zu dir und zu mir, auch durch andere Menschen; das allerdings nicht immer sehr laut. Da ist es gut, auch leise Töne vernehmen zu können. Manchmal sind es nähmlich gerade die leisen Töne, die am wichtigsten für uns sind.

Die Balance finden

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
(Lukas 12,48)

Paradox, die Erfahrung auch ohne Alkohol oder andere Drogen sein Leben meistern zu können, kann wie ein Rausch sein. So eindrucksvoll ist das, was wir in einem trockenen, cleanen Zustand erleben. Wir haben Energie, sind motiviert und können endlich wieder mit anpacken.

Das bekommen auch die Menschen mit, die um uns herum sind – unsere Familien, die Freunde und Arbeitskollegen. Mit der Zeit kehrt verlorenes Vertrauen zurück und wir erfahren, dass uns wieder etwas zugetraut wird. Wir spüren auch selber, dass wir Stück für Stück belastbarer werden. Einfach toll.

Doch ich muss aufpassen: die Versuchung ist groß, dass ich mich überfordere. Schnell kann es passieren, dass ich mir mehr zumute, als mir gut tut. Dabei kann ich nicht damit rechnen, dass andere meine neuen Grenzen erkennen und spüren, wann es genug ist. Dafür bin allein ich selber verantwortlich.

Ich muss selber auf mich aufpassen und bei aller Freude über die gewonnene Freiheit, ein Gefühl dafür bekommen, wann ich an meine Grenzen gelange. Zeiten der Ruhe, in der ich mit Gott ins Gespräch komme, helfen mir dabei, die Balance nicht zu verlieren.